KPEBW Jah­res­be­richt 2015/2016

20. Ju­li 2017

Staats­se­kre­tär Jä­ger: „Prä­ven­ti­on und De­ra­di­ka­li­sie­rungs­ar­beit sind un­ver­zicht­bar, wenn wir An­schlä­ge is­la­mis­ti­scher Ter­ro­ris­ten bes­ser ver­hin­dern wol­len“

„Das KPEBW ar­bei­tet seit mehr als ei­nem Jahr er­folg­reich als Brü­cke zwi­schen staat­li­chen und zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Ak­teu­ren. Es ist im Be­reich des is­la­mis­ti­schen Ex­tre­mis­mus ein ver­läss­li­cher Part­ner bei der Prä­ven­ti­on und De­ra­di­ka­li­sie­rung“, sag­te Mar­tin Jä­ger, Staats­se­kre­tär im Mi­nis­te­ri­um für In­ne­res, Di­gi­ta­li­sie­rung und Mi­gra­ti­on. An­lass war die Vor­stel­lung des ers­ten Jah­res­be­richts des KPEBW am Don­ners­tag, 20. Ju­li 2017, in Stutt­gart. Das KPEBW ist ver­ant­wort­lich für die lan­des­wei­te Steue­rung von Maß­nah­men der Prä­ven­ti­on ge­gen den is­la­mis­ti­schen Ex­tre­mis­mus so­wie die Be­treu­ung und Be­ra­tung ra­di­ka­li­sier­ter Per­so­nen und de­ren Um­feld.

Rund 5.500 Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer be­such­ten seit der Ein­rich­tung des Kom­pe­tenz­zen­trums bis 31. De­zem­ber 2016 die Vor­trä­ge, Ta­gun­gen und Kon­gres­se. Auch das In­for­ma­ti­ons­an­ge­bot des KPEBW auf des­sen Home­page wur­de gut an­ge­nom­men. Mit dem Grund­la­gen­hand-buch „Struk­tu­rel­le Qua­li­täts­stan­dards in der In­ter­ven­ti­ons- und Prä­ven­ti­ons­ar­beit ge­gen ge­walt­tä­ti­gen Ex­tre­mis­mus. Ein Hand­buch für Prak­ti­ke­rin­nen, Prak­ti­ker und staat­li­che so­wie zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Ko­or­di­na­ti­ons­stel­len in Deutsch­land“ hat Ba­den-Würt­tem­berg als ers­tes Bun­des­land ei­nen pra­xis­ori­en­tier­ten Vor­schlag für Min­dest­stan­dards in der Be­ra­tung von ra­di­ka­li­sier­ten Per­so­nen vor­ge­legt. „Ich bin über­zeugt, das Hand­buch wird na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal da­zu bei­tra­gen, per­so­nel­le und fi­nan­zi­el­le Res­sour­cen ef­fek­tiv und ef­fi­zi­ent in die­sem hoch­bri­san­ten Feld ein­zu­set­zen“, so Jä­ger. Das Hand­buch wur­de, nach sei­nem Er­schei­nen in eng­li­scher Spra­che, be­reits in meh­re­ren Län­dern in Eu­ro­pa vor­ge­stellt.

In der un­ter dem Dach des KPEBW an­ge­sie­del­ten Be­ra­tungs­stel­le Ba­den-Würt­tem­berg, be­trie­ben durch den ex­ter­nen Trä­ger Vio­lence Preven­ti­on Net­work, wur­den bis­her 58 Be­trof­fe­ne oder de­ren An­ge­hö­ri­ge be­ra­ten. Die Kon­takt­auf­nah­me mit der Be­ra­tungs­stel­le er­folg­te über­wie­gend durch El­tern, dem so­zia­len Um­feld so­wie über die Po­li­zei und Schu­len. In ei­nem Fall mel­de­te sich ei­ne Per­son selbst für die Be­ra­tung. Das Al­ter der Be­treu­ten liegt zwi­schen 13 und 40 Jah­ren, wo­bei mehr als die Hälf­te jün­ger als 20 Jah­re ist. Et­wa zehn Pro­zent al­ler Be­treu­ten sind weib­lich. Der Be­ra­tungs­stel­le mit vier Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern ste­hen jähr­lich 450.000 Eu­ro für ih­re Ar­beit zur Ver­fü­gung. „Die­se Mit­tel sind im Lan­des­haus­halt dau­er­haft be­rück­sich­tigt. Das ist wich­tig, um ei­ne pro­fes­sio­nel­le Be­ra­tung an­bie­ten zu kön­nen“, so Be­lin­da Hoff­mann, die Ge­schäfts­füh­re­rin des KPEBW.

Im nächs­ten Schritt wird die Be­ra­tungs­stel­le aus­ge­baut und auf al­le Ex­tre­mis­mus­be­rei­che aus­ge­wei­tet. Durch die Er­wei­te­rung wer­den er­heb­li­che Syn­er­gie­ef­fek­te er­war­tet, so­wohl per­so­nell als auch mit Blick auf Er­fah­run­gen in der Fall­be­treu­ung und bei der Er­pro­bung von in­no­va­ti­ven Be­treu­ungs­an­sät­zen.

Um die Aus- und Fort­bil­dung im Be­reich der Ex­tre­mis­musprä­ven­ti­on zu för­dern und zu stär­ken, wird un­ter dem Dach des KPEBW das „Lan­des­bil­dungs­zen­trum für De­ra­di­ka­li­sie­rung Ba­den-Würt­tem­berg“ ge­schaf­fen. „Ein solch spe­zia­li­sier­tes Bil­dungs­zen­trum im Be­reich der De­ra­di­ka­li­sie­rung ist bun­des­weit ein­zig­ar­tig und ein be­son­ders her­vor­zu­he­ben­der Fort­schritt für die deut­sche Prä­ven­ti­ons­land­schaft“, so Staats­se­kre­tär Mar­tin Jä­ger. Die kon­kre­te Um­set­zung ist für Herbst 2017 ge­plant.